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Wie du die Qualität medizinischer Cannabisblüten bequem von deinem Sofa aus beurteilst

  • 6. Aug.
  • 5 Min. Lesezeit


Teil eins: Der Geruch

Es gibt vier Möglichkeiten, die Qualität einer medizinischen Cannabisblüte selbst bequem von deinem Sofa aus einzuschätzen: über den Geruch, das Aussehen, die Haptik und die Dokumentation. In diesem Beitrag schauen wir uns zunächst den Geruch genauer an.

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Fast jeder kennt den typischen Geruch von Cannabis. Vielleicht ist er dir schon einmal an einem Strand in der Karibik oder durch jemanden im Park, im Club oder auf der Straße begegnet. Als Patient lohnt es sich, auf die eigene Nase zu achten, denn sie liefert den ersten Eindruck, sobald du ein Glas mit medizinischem Cannabis öffnest.


Der charakteristische Geruch entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer chemischer Verbindungen, die flüchtig sind und bei Raumtemperatur kondensieren. Sie befinden sich hauptsächlich in den Trichomen der Blüte. Werden diese geöffnet oder brechen auf, können die enthaltenen Stoffe freigesetzt werden. Die bekanntesten dieser Verbindungen sind Terpene. Zum Geruch tragen jedoch auch Schwefelverbindungen, Skatol, Ketone oder Aldehyde bei.


Eine Studie zeigt in einer besonders interessanten Tabelle die Sekundärmetaboliten¹ der Blüte (ACS Omega 2023, 8, 39203–39216) – und kommt zu dem Schluss, dass die eher außergewöhnlichen Gerüche von Cannabis gar nicht von Terpenen stammen, sondern von weniger bekannten, flüchtigen organischen Verbindungen.


Abbildung 1. Schematische Darstellung eines typischen chemischen Profils von Cannabis. Die Breite der Pfade veranschaulicht die ungefähre relative Menge der jeweiligen Stoffklasse. Source: (ACS Omega 2023, 8, 39203−39216)
Abbildung 1. Schematische Darstellung eines typischen chemischen Profils von Cannabis. Die Breite der Pfade veranschaulicht die ungefähre relative Menge der jeweiligen Stoffklasse. Source: (ACS Omega 2023, 8, 39203−39216)


Warum lohnt es sich überhaupt, auf diesen ersten Geruch zu achten? Dafür gibt es eigentlich drei gute Gründe: Er kann dir etwas über den Weg der Blüte bis zu dir verraten, dir zeigen, ob sie zu dir passt, und Hinweise darauf geben, ob ein ungewöhnlicher Geruch möglicherweise auf Schimmel hindeutet. Schauen wir uns diese drei Punkte einmal genauer an.



Die Reise: Was der Geruch über den Weg der Blüte zu dir verrät

Wenn du ein Glas öffnest, fällt dir wahrscheinlich als Erstes der Geruch auf. Ist er eher kräftig oder eher dezent? Das ist zwar kein eindeutiger Hinweis, kann aber oft etwas über den Weg der Blüte bis zu dir verraten. Grundsätzlich gilt: – je stärker der Geruch, desto kürzer die Lieferkette von der Ernte bis zur Auslieferung, oder desto seltener wurde sie unterwegs umgepackt oder weiterverarbeitet.


Wichtig: Dabei geht es übrigens um den Geruch der getrockneten Blüte und nicht um frisch geerntetes Cannabis. Diesen Duft bekommen leider meist nur die Menschen zu riechen, die bei der Ernte dabei sind.


Was ist aber, wenn die Blüte kaum oder gar nicht riecht? Auch das kann ein Hinweis sein. Fehlt der typische Geruch fast vollständig, deutet das häufig darauf hin, dass viele Terpene und Trichome verloren gegangen sind. Das kann beispielsweise daran liegen, dass die Blüte bereits älter ist oder während der Herstellung, der Lieferkette oder der Lagerung nicht optimal behandelt wurde.


Stell dir vor, dieselbe Blüte nimmt zwei unterschiedliche Wege, bevor sie bei dir ankommt. Im ersten Fall wird deine Lieblingssorte geerntet, getrocknet, getrimmt und verpackt. Anschließend holt ein Großhändler sie ab und liefert sie direkt an die Apotheke, von wo aus sie zu dir nach Hause gelangt. Im zweiten Fall wird derselbe Beutel immer wieder von verschiedenen Zwischenhändlern geöffnet, umgepackt, nachgetrocknet und erneut getrimmt. Dabei wandert er von A nach B, weiter nach C und schließlich über mehrere Stationen bis zu deiner Apotheke, wo die Blüte für dich abgefüllt wird, bevor sie dich erreicht. Jedes Mal, wenn die Blüte mit Luft, Licht und wechselnden Temperaturen in Kontakt kommt, schreitet die Oxidation weiter voran. Dadurch werden die Trichome nach und nach abgebaut und mit ihnen gehen viele der flüchtigen organischen Verbindungen verloren, die den charakteristischen Geruch ausmachen. 


Im Idealfall wird der Beutel direkt vom Anbauer verschlossen und bis zur Apotheke nicht mehr geöffnet. Er wird vor Licht geschützt, kontrolliert gelagert und erst in der Apotheke geöffnet, um deine individuelle Menge abzufüllen. Unter den richtigen Bedingungen, also luftdicht, kühl, vor Licht und Sauerstoff geschützt und bei passender Luftfeuchtigkeit, können manche Blüten auch Monate nach der Ernte noch intensiv riechen. Doch der Geruch erzählt nur einen Teil der Geschichte. Es gibt auch optische Hinweise, an denen sich das Alter einer Blüte erkennen lässt. Darauf gehen wir im nächsten Beitrag näher ein.



Warum derselbe Geruch auf jeden Menschen anders wirken kann

Jetzt wird's persönlich. Eine Studie von Lehrner et al.² an Zahnarztpatienten im Wartezimmer zeigte, dass sowohl der Duft von Orangenöl als auch von Lavendelöl Ängste verringern und gleichzeitig die Stimmung sowie Gelassenheit verbessern konnten, verglichen mit Räumen ohne Duft. Zwei völlig unterschiedliche Düfte, derselbe beruhigende Effekt. Es gibt aber auch die gegenteilige Reaktion. Die Migräneforschung³ zeigt, dass bestimmte Gerüche bei manchen Menschen Kopfschmerzen oder sogar Migräne auslösen können.


Für Cannabis gibt es dazu bislang keine direkte Studie. Aus persönlicher Erfahrung berichten jedoch manche Menschen, dass eine stark nach Mandarine oder Mimose duftende Sorte bei ihnen Kopfschmerzen auslöst, während andere genau den gegenteiligen Eindruck haben. Es geht dabei nicht darum, einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Studien und Cannabis herzustellen. Vielmehr soll deutlich werden, dass Gerüche individuell unterschiedliche Reaktionen im Körper auslösen können. Achte deshalb auf deinen ersten Eindruck, wenn du ein Glas mit medizinischem Cannabis öffnest. Hat dich der Geruch überrascht? Hast du ihn als angenehm empfunden oder eher nicht?


Der Funk-Test: Wenn ein Geruch dir sagt, dass etwas nicht stimmt

Dann gibt es noch einen Geruch, den du nicht ignorieren solltest. Je nach Sorte kann medizinisches Cannabis auch dann einen ungewöhnlichen Geruch haben, wenn es während der gesamten Lieferkette richtig gelagert und verarbeitet wurde. Manche beschreiben solche Aromen als gasig, käsig, faulig, schwefelig, moschusartig oder sogar als „urinartig“. Sollte dich das beunruhigen?


Zunächst einmal nicht. Wenn das, was du riechst, allerdings an einen feuchten Keller, alte Sportsocken oder nasse Pappe erinnert, nimmst du dieselben Verbindungen wahr, unabhängig davon, ob sie von einem verschimmelten Gebäude oder einer verschimmelten Blüte stammen. Unser Geruchssinn reagiert besonders empfindlich auf flüchtige organische Verbindungen von Pilzen und nimmt sie selbst in sehr geringen Konzentrationen wahr. Sieh das eher als eine Fähigkeit, die du mit der Zeit entwickelst, und nicht als eine starre Checkliste. Die Aromaprofile von Schimmel und Pilzen verändern sich je nach Art, Luftfeuchtigkeit und Wachstumsstadium.


Wichtig zu wissen: Muffige Gerüche gehören meist nicht zu den typischen Aromen von Cannabis. Dazu zählen eher zitrusartige, harzige, gasige, knoblauchartige, erdige, schwefelige oder skunkige Noten. Frag dich deshalb: Riecht die Blüte einfach intensiver nach Cannabis oder erinnert der Geruch eher an einen feuchten Keller, nasses Papier oder eine Umkleidekabine? 


Cannabis ist ein Naturprodukt, genau wie Käse, Essen oder Gemüse, das man manchmal im Kühlschrank vergisst. Wenn du beim Öffnen des Glases die Nase rümpfst und dich der Geruch an einen vergessenen Joghurtbecher erinnert, solltest du die Blüte genauer untersuchen. Am besten beginnst du mit einem Blick auf ihr Aussehen und genau darum geht es im nächsten Artikel. 



Tauche tiefer in die Welt der Cannabisgenetik ein und entdecke weitere spannende Hintergründe zu Cannabinoiden und Terpenen.Aufschluss darüber, woran sich eine gute Blüte erkennen lässt.




References

  1. Übrigens: THC, Terpene und ähnliche Verbindungen sind Sekundärmetaboliten – also Stoffe, die die Pflanze aus Gründen produziert, die für ihr eigenes Überleben zweitrangig sind, etwa zum Schutz vor UV-Strahlung, Insekten, Schimmel und Schädlingen oder zur Kommunikation mit anderen Pflanzen. Anders gesagt: Wir setzen die Pflanzen unter Stress, damit sie genau die Sekundärmetaboliten produzieren, die wir eigentlich mögen (Thema für einen anderen Blogbeitrag). Ganz von allein würde die Pflanze lieber Zucker, Proteine und Fette fürs Wachstum produzieren.

  2. Lehrner J, Marwinski G, Lehr S, Johren P, Deecke L. Ambient odors of orange and lavender reduce anxiety and improve mood in a dental office. Physiol Behav. 2005 Sep 15;86(1-2):92-5. doi: 10.1016/j.physbeh.2005.06.031. PMID: 16095639.

  3. Silva-Néto RP, Peres MF, Valença MM. Odorant substances that trigger headaches in migraine patients. Cephalalgia. 2014;34(1):14-21. doi: 10.1177/0333102413495969.


 
 

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