Wie du die Qualität von medizinischen Cannabisblüten bequem von deiner Couch aus überprüfst – mit dem Tastsinn

Teil 3: Fühlen
Fangen wir da an, wo wir aufgehört haben – die Blüte noch vor den Augen . Im dritten Teil unserer Serie, wie du medizinische Cannabisblüten bequem von deiner Couch aus beurteilst, geht es heute ums Fühlen. Genau richtig gehört – Zeit für den Quetschtest.
Der letzte Sinn, den du beim Couch-Check aktivieren musst, ist der Tastsinn. Drück die Blüte, fühl sie – sei nicht schüchtern. Im besten Fall bekommst du dabei noch eine extra Portion Duft ab, wenn ein paar Trichome platzen (jetzt, wo wir wissen, was das ist, ziemlich cool, oder?). Aber konzentrier dich diesmal nicht auf den Geruch, sondern auf deine Fingerspitzen. Worauf du achten solltest: Die Blüte sollte schön knackig sein, nicht zerbröseln und nicht zu klebrig sein.
Warum nicht klebrig? Vom Schwarzmarkt kennst du Klebrigkeit vielleicht als Qualitätsmerkmal, aber bei medizinischem Cannabis kann starke Klebrigkeit auf zu viel Feuchtigkeit in der Blüte hindeuten – ein häufiger Fehler beim Bezug von medizinischem Cannabis. Die gute Nachricht: In der Medizinalcannabisbranche gelten strenge Kontrollen, damit du ein sicheres und geprüftes Produkt bekommst.

Cannabisblüten Qualitätsparameter
Jetzt wird's ein bisschen wissenschaftlich, denn wir sprechen über Qualitätsparameter – genauer gesagt über den Trocknungsverlust, auf Englisch Loss on Drying (LOD). Dieser Wert misst, wie viel Gewicht eine 1-g-Cannabisblüte verliert, wenn sie 24 Stunden lang bei 40 °C im Vakuum getrocknet wird1.
Der Gewichtsverlust umfasst Wasser sowie andere flüchtige Stoffe und maximal darf eine Blüte dabei 12 % ihres Gewichts verlieren. Und jetzt kommt der Teil, der erstmal komisch klingt: Je kleiner der Prozentsatz, desto trockener die Blüte. Anders gesagt – je weniger Gewicht innerhalb von 24 Stunden verloren geht, desto trockener ist die Blüte insgesamt und desto eher liegt sie beim Trocknungsverlust im erlaubten Bereich für medizinisches Cannabis.
Hinter der 12-%-Grenze steckt ein wichtiger Sicherheitsgrund (früher lag sie bei 10 %, aber zum Glück wurde die europäische Vorgabe angepasst – deshalb ist die Apothekenblüte heute nicht mehr ganz so trocken wie früher). Wir bleiben also noch etwas wissenschaftlich, aber das ist zu deinem Besten. Wissen ist schließlich Macht.
Bei 12 % Trocknungsverlust oder weniger ist die Blüte trocken genug, um Schimmel- und Bakterienwachstum zu begrenzen. Die Blüte enthält so wenig verfügbares Wasser, dass sich Schimmel oder Bakterien kaum vermehren können.
Eine ausreichend trockene Blüte ist also sicherer beim Verdampfen … aber es gibt einen Haken. Ist die Blüte zu trocken, nimmt die Trichomstruktur Schaden, denn Trichome brauchen etwas Feuchtigkeit, um ihre Form zu halten. Trocknest du sie komplett aus, werden sie spröde – wie dürre Zweige, statt wie eine Yogalehrerin, die sich wild verbiegen kann, ohne zu brechen. Als Faustregel gilt: 8 % oder weniger ist zu trocken und 5 % ist quasi eine tote Blüte – glaub uns, das willst du nicht. Das ist Qualität von 2022, nicht von 2026. Wir haben in kurzer Zeit einen weiten Weg zurückgelegt.

Wenn du jetzt zu den Leuten gehörst, die finden, dass die Wasseraktivität eigentlich der bessere Referenzparameter als der klassische LOD-Wert wäre - viel Glück dabei, die Europäische Direktion für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM) davon zu überzeugen, sie statt LOD einzuführen. Dieser Kampf übersteigt unsere Kompetenzen (und unsere Geduld), also bleiben wir erstmal beim Trocknungsverlust.
Trotzdem lohnt es sich, die Wasseraktivität zu verstehen: Sie beschreibt, wie viel Wasser in der Blüte verfügbar ist und das entscheidet letztlich darüber, ob sich Hefen, Pilze oder Bakterien vermehren können, während (im Idealfall) die Trichome intakt bleiben. Hier zwei Grafiken, die das besser erklären, als wir es könnten:


Die wichtigste Erkenntnis
Das praktische Limit beim Trocknen liegt bei einer Wasseraktivität unter 0,7 4 – das heißt aber nicht, dass keine Schimmelsporen oder Bakterien vorhanden sind. Die können durchaus da sein, befinden sich aber in völliger metabolischer Ruhe: tiefschlafend, unfähig sich zu vermehren, weil die Umgebung es schlicht nicht zulässt.5 Interessant ist, dass ein Großteil dieser Forschung aus der Lebensmittelforschung stammt – denk an Cracker und Kekse, wo die Haltbarkeitsforschung rund um Schimmel und Bakterien bereits sehr weit entwickelt ist. Ein Blick wert, wenn's dich interessiert.
Die eigentliche Frage ist: Wie stellen wir ein sicheres Produkt her und behalten gleichzeitig genug Wasseraktivität in der Blüte, damit die Trichome ihre Struktur behalten? Genau hier kommt Grafik 2 ins Spiel. Der Sweet Spot liegt bei einer Wasseraktivität zwischen 0,55 und 0,65 – ein schmales Fenster, in dem das Schimmel- und Bakterienrisiko minimal ist, aber trotzdem genug Feuchtigkeit vorhanden bleibt, um die Zellmembranen intakt zu halten.
Da wir laut europäischer Vorgabe den Trocknungsverlust und nicht die Wasseraktivität testen, sollte man wissen: Eine einfache, direkte Korrelation zwischen beiden gibt es nicht – das ist ein Thema für einen eigenen Artikel. Als Faustregel gilt aber: Ein LOD von etwa 10–11 % kommt diesem Wasseraktivitäts-Sweet-Spot ziemlich nah.

Hinter der 12-%-Grenze steckt ein wichtiger Sicherheitsgrund (früher lag sie bei 10 %, aber zum Glück wurde die europäische Vorgabe angepasst – deshalb ist die Apothekenblüte heute nicht mehr ganz so trocken wie früher). Wir bleiben also noch etwas wissenschaftlich, aber das ist zu deinem Besten. Wissen ist schließlich Macht.
Bei 12 % Trocknungsverlust oder weniger ist die Blüte trocken genug, um Schimmel- und Bakterienwachstum zu begrenzen. Die Blüte enthält so wenig verfügbares Wasser, dass sich Schimmel oder Bakterien kaum vermehren können.
Eine ausreichend trockene Blüte ist also sicherer beim Verdampfen … aber es gibt einen Haken. Ist die Blüte zu trocken, nimmt die Trichomstruktur Schaden, denn Trichome brauchen etwas Feuchtigkeit, um ihre Form zu halten. Trocknest du sie komplett aus, werden sie spröde – wie dürre Zweige, statt wie eine deine Lieblings-Yogalehrerin, die sich wild verbiegen kann, ohne zu brechen. Als Faustregel gilt: 8 % oder weniger ist zu trocken und 5 % ist quasi eine tote Blüte – glaub uns, das willst du nicht. Das ist Qualität von 2022, nicht von 2026. Wir haben in kurzer Zeit einen weiten Weg zurückgelegt.
Kein Rolling-Stones-Album wird sich wohl je von einer trockeneren Blüte inspirieren lassen – aber du solltest froh sein, dass dieser kleine Unterschied zählt. Er sorgt für ein sichereres Produkt, vor allem, weil du es am Ende inhalierst.
Als Nächstes: die Dichte. Dichtere Blüten gelten oft als höherwertig, auch wenn wir nicht ganz überzeugt sind, warum. Unsere Meinung: Das ist größtenteils eine Vorliebe, die von kanadischen und amerikanischen Growern geprägt wurde, die auf leichteres Maschinentrimmenund mehr Gewicht züchten und dabei – oft – stärker auf Pflanzenwachstumsregulatoren (PGRs) setzen. (PGRs verdienen übrigens eine eigene Artikelserie – sag Bescheid, wenn du die willst.)
Das wirft eine berechtigte Frage auf: Sollte eine Landrasse, die in Erde oder in einem gut gepflegten Gewächshaus gewachsen ist, als minderwertiger gelten, nur weil sie nicht so dicht ist? Lockere Blüten kommen bei medizinischen Konsumenten zwar meist weniger gut an, aber das heißt nicht automatisch, dass sie von geringerer Qualität sind.
Landrassen sind Sorten, die weltweit vorkommen – kaum gezüchtet, mit den ursprünglichen Eigenschaften von Cannabis aus den 70ern und 80ern, meist keine Hybriden. Wir waren damals nicht dabei, also verlassen wir uns auf Erzählungen von alten Hasen und Fotos früher Sorten. Aber Fotos zeigen eben nur begrenzt viel – du musst eine Blüte wirklich zwischen den Fingern fühlen, um sie zu verstehen.
Aus Sicht der Grower sind lockerere Blüten tatsächlich schwerer zu verarbeiten: schwieriger maschinell zu trimmen und anfälliger dafür, unter ihrem eigenen Gewicht in Großgebinden zerdrückt zu werden. Dichtere Blüten bringen echte Vorteile für Lieferkette und Betriebsabläufe – aber wir würden sagen, dass Dichte allein die Qualität nicht definieren sollte.

Ein weiterer Punkt beim Fühlen, den wir bei der visuellen Prüfung nicht abgedeckt haben: Sugar Leaves. Erwartungen daran, wie eine Blüte heutzutage aussehen und sich anfühlen sollte, sind ziemlich hoch. Sugar Leaves tragen ebenfalls Trichome und eine Blüte mit vielen davon kann buschig oder ungepflegt wirken – aber bedeutet eine perfekt manikürte Blüte wirklich bessere Qualität? Erwarten wir von Cannabis inzwischen einen unrealistisch perfekten Magazin-Look?
Nicht unbedingt, finden wir. Man könnte argumentieren, dass schlecht getrimmte Sugar Leaves auf einen weniger kontrollierten Prozess hindeuten oder dass zu viel Chlorophyll die Dampfqualität beeinträchtigen könnte – faire Punkte. Aber manchmal sollte man eine Blüte nicht danach beurteilen, wie buschig sie ist. Vielleicht sind ein paar Sugar Leaves einfach Geschmackssache und kein Qualitätsmangel.
Beim Fühlen achtest du also am besten auf spannkräftige, dichte Blüten, die weder zu klebrig noch zu trocken sind. Am Ende spielt aber auch der persönliche Geschmack eine Rolle – wir leben schließlich in einer freien Welt. Trotzdem fragen wir uns, was die alten Hasen aus den 70ern wohl zu den heutigen, fein manikürten Hybriden sagen würden. Unterm Strich gilt: Ist eine Sorte schimmelfrei, hat kräftige Trichome, fühlt sich leicht klebrig an und kommt von einem seriösen Hersteller medizinischen Cannabis, hast du einen Treffer gelandet.
Als Nächstes: Teil 4 – Dokumentation. Das ist der Teil, der medizinisches Cannabis vom Schwarzmarkt unterscheidet und dafür sorgt, dass das, was am Ende in deiner Pfeife oder deinem Vape landet, sicher, geprüft und legal ist.
Tauche tiefer in die Welt der Cannabisgenetik ein und entdecke weitere spannende Hintergründe zu Cannabinoiden und Terpenen. Aufschluss darüber, woran sich eine gute Blüte erkennen lässt.
Quellen
European Pharmacopoeia (Ph. Eur.), Cannabis flower (Cannabisblüten), Monograph 3028; General Chapter 2.2.32, Loss on drying (Trocknungsverlust). Available at: https://www.edqm.eu/documents/52006/0/European%2BPharmacopoeia%2B%28Ph%2BEur.%29%2B-%2BThe%2Bnew%2BPh.%2BEur.%2Bmonograph%2Bon%2BCannabis%2B%283028%29.pdf/b4f93d19-f1bd-1476-7d4c-1ace87830298
Brady P. Carter, Articles, August 21, 2019, Cannabis Science and Technology, July/August 2019, Volume 2, Issue 4, The What, How, and Why of Water Activity in Cannabis,available at: https://www.cannabissciencetech.com/view/what-how-and-why-water-activity-cannabis
Gwinn KD, Leung MCK, Stephens AB, Punja ZK. Fungal and mycotoxin contaminants in cannabis and hemp flowers: implications for consumer health and directions for further research. Front Microbiol. 2023 Oct 19;14:1278189. doi: 10.3389/fmicb.2023.1278189. PMID: 37928692; PMCID: PMC10620813.
Brady P. Carter, Articles, August 21, 2019, Cannabis Science and Technology, July/August 2019, Volume 2, Issue 4, The What, How, and Why of Water Activity in Cannabis, available at: https://www.cannabissciencetech.com/view/what-how-and-why-water-activity-cannabis
W.J. Scott, Water Relations of Food Spoilage Microorganisms, Editor(s): E.M. Mrak, G.F. Stewart, Advances in Food Research, Academic Press, Volume 7, 1957, Pages 83-127, ISSN 0065-2628, ISBN 9780120164073, https://doi.org/10.1016/S0065-2628(08)60247-5.



